Pädagogisches Material

Politisch-historische Bildung zum Nachkriegsdeutschland und zur Deutschen Teilung sollte nicht nur Informationen über Ereignisse, Namen und Daten vermitteln. Neben dem Deuten und den Analysen historischer Quellen und Darstellungen sollen die Lernenden auch ermuntert werden, Urteile über die Vergangenheit und deren Interpretationen zu fällen. Außerdem brauchen die Jugendlichen die Möglichkeit, ihr neu erworbenes Wissen dahingehend zu reflektieren, dass sie es mit ihrer eigenen Lebenswelt verbinden und die geschichtlichen Zusammenhänge für die Bewältigung ihrer Gegenwart und Zukunft nutzen können.

Die Mitarbeiterinnen der LAkD konzipieren im Rahmen der politisch-historischen Jugendbildung thematisch verschiedene pädagogische Angebote und führen diese auch mit der Zielgruppe an verschiedenen Orten im Land Brandenburg durch. Diese Erfahrungen fließen in die Entwicklung von pädagogischem Material, das hier für Lehrende an Schulen und sonstige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zum Download bereit steht. Bei der Thematisierung der verschiedenen historischen Ereignisse und bei der Vorstellung konkreter Schicksale wird stets versucht, möglichst einen Bezug zum Land Brandenburg herzustellen und somit die große Geschichte an regionalen Beispielen aufzuzeigen. Darüber hinaus finden sich hier weitere Tipps und Anregungen anderer Einrichtungen und Initiativen, die wir auf Grund eigener Erfahrung gern empfehlen.

Die folgenden Übungen, zugeordnet jeweils einer Unterrichtsphase (Einstieg, Erarbeitung, Abschluss), lassen sich als Bausteine miteinander kombinieren. Sollten mehrere Übungen in einer Unterrichtsphase angeboten werden, handelt es sich um Alternativen. Außerdem werden ganze Unterrichtseinheiten vorgestellt, die sich z. B. mit ausgewählten Biografien im Zeitzeugenportal befassen und dabei auch ein konkretes historisches Thema behandeln.

A. „JUNG SEIN, FREI SEIN!?“
Jugendopposition in der DDR

Wer den Führungsanspruch der Sozialistischen Einheitspartei (SED) sowie ihre Regeln und Ziele akzeptierte, konnte für DDR-Verhältnisse ein mehr oder weniger unbeschwertes Leben führen. Ob bei der Erziehung, bei der Berufswahl oder bei der Wohnungssuche, die Partei wirkte in vielen Lebensbereichen mit. Was von den einen als Umsorgen wahrgenommen wurde, wirkte auf die anderen als Einschränkung und Kontrolle. Wer dann sogar im Wider­spruch zu den staatlichen Interessen, z.,B. die Reise- und Meinungsfreiheit oder individuelle Entfaltungs­möglich­keiten einforderte, sah sich zudem einem massiven Anpassungsdruck ausgesetzt, wenn er nicht sogar kriminalisiert wurde.

Wie sah dieser Anpassungsdruck in dem kommunistisch geführten Land konkret aus? Hatten die Menschen in der DDR Handlungsspielräume? Was geschah mit ihnen, wenn sie möglicherweise Entscheidungen trafen, die der SED-Staat so nicht akzeptieren wollte? Die Übungen gehen diesen Fragen mit Hilfe konkreter Beispiele von Jugendlichen der damaligen Zeit nach und sollen den Lernenden dabei helfen, nachzuvollziehen, was ein Mensch auf sich nehmen musste, um den Wunsch nach einem freien und selbstbestimmten Leben in der DDR zu verwirklichen. Indem die Lernenden dazu noch die Geltung und Bedeutung von Menschenrechten in ihrem eigenen Alltag proble­ma­tisieren und sich mit der Auswirkung von eigenen Entscheidungen oder der Bereitschaft zum Kompromiss auseinandersetzen, können sie ihr Bewusstsein für den Unterschied zwischen dem Leben in einer Demokratie und Diktatur zusätzlich schärfen.

1. Einstieg

A.1.1: Und was denkst du?
A.1.2: Meine Entscheidungen
A.1.3: Hier stehe ich!

2. Erarbeitung

A.2.1: Mehr Luft zum Atmen (Prager Frühling und die DDR)

3.  Abschluss

A.3.1: Die Suche geht weiter
A.3.2: Was kann man tun?

B. „Andersartig und ausgegrenzt“:
Jugendkulturen in der DDR

In der DDR war eine angepasste Jugend, die sich für den Aufbau des Sozialismus einsetzte, stets ein Wunschbild der SED gewesen. Die Ablehnung westlicher, in der Sprache der führenden Partei „dekadenter“ Musik- und Modeeinflüsse oder die Abkehr von der (kirchlichen) Konfirmation sollten möglichst auch äußerlich zur Schau gestellt werden. Bereits kleine Signale der Abweichung wurden als gefährlich eingestuft. Trotzdem hat sich im Laufe der Zeit auch in der DDR eine bunte (zahlenmäßig überschaubare) unabhängige Jugendszene etabliert. Sie offenbarte, dass die Vorgabe einer homogenen sozialistischen Gesellschaft nicht erfüllt war, sondern dass es vielfältige Subkulturen gab.

Am Beispiel der Punk-Bewegung in der DDR der 1980er Jahre können die Lernenden in den einzelnen Übungen nicht nur die damaligen Protagonistinnen und Protagonisten und ihre Lebensweise kennenlernen, sondern auch insbesondere das Vorgehen des Staates und die Auswirkungen auf die Szene selbst analysieren und beurteilen. Verbunden mit dem Austausch der Jugendlichen darüber, welche Musik- und Modevorlieben sie haben, regen die Aufgaben zum Nachdenken an, wie Andersartigkeit gelebt wurde/wird und wie die Gesellschaft bzw. der Staat mit ihr nicht nur damals sondern auch heute umgeht.

1. Einstieg

B.1.1: Musik ist mein Leben!
B.1.2 Was heißt denneigentlich Jugendkulturen?
B.1.3 Über Darstellungen undZuschreibungen

2. Erarbeitung

B.2.1 „oppositionslied“
B.2.2 Die „Band“ aus Potsdam (Punks in der DDR)

3.  Abschluss

B.3.1: Meine Sichtweise
B.3.2: Das nehme ich mit

C. „Erfahrungsberichte über politisches Unrecht und Widerstand von 1945 bis 1989“: Zeitzeugenportal

1. Einstieg

C.1.1: Zeugenschaft
C.1.2: Mein erster Eindruck

2. Erarbeitung

C.2.1: Biografische Rekonstruktion
C.2.2: Botschaft
C.2.3: Zitat

C.3.1: Gallery Walk
C.3.2: Ein Brief

3.  Abschluss

4. Komplette Unterrichtseinheiten

Volker Schobeß
Detlef Putzar

Unsere Empfehlungen

Jugendopposition in der DDR

Dieses Portal entstand in Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft e. V. Es ist ein multimediales Internetangebot über die Auflehnung von Jugendlichen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR bis 1990.

Kernstück des Multimedia-Projekts sind 24 Biografien junger Menschen, die aktiv gegen die politischen Verhältnisse in der DDR protestiert haben. Die Lebensgeschichten verdeutlichen unter anderem, welche Gründe die Jugendlichen für ihre oppositionelle Haltung hatten und welche Konsequenzen ihr Handeln zur Folge hatte.

Zu allen Themen gibt es zahlreiche Video- und Audiosequenzen, Zeitzeugeninterviews, Texte, Fotos und Originaldokumente, sodass man sich anhand von verschiedenen Quellen ein eigenes Bild von den historischen Geschehnissen machen kann. Für den pädagogischen Einsatz werden außerdem ergänzende Unterrichtsmaterialien angeboten.

BStU-Quellen für die Schule

Die Reihe „Quellen für die Schule“ wird vom Bildungsteam des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik veröffentlicht und kann heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden. Es handelt sich um Auszüge aus originalen Stasi-Akten. Meist geht es in den konkreten Fällen um Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen in den Fokus des Staatssicherheitsdienstes gerieten. Die Fälle um Jugendliche und junge Erwachsene in der DDR wurden bewusst gewählt. Auch wenn die Geschehnisse 30 bis 50 Jahre zurückliegen, haben gleichaltrige Schülerinnen und Schüler von heute viele Vergleichsmomente. Ergänzt werden die Aktenauszüge mit einem Abkürzungsverzeichnis und Arbeitsbögen für die Einzel- und Gruppenarbeit.

1. Inoffizielle Jugendliche Mitarbeiter

2. Flucht aus der DDR

3. „DDR – eingesperrt“

4. „Revisor“

5. Schülerprotest 1961

6. Von der Schule verwiesen

7. Zersetzung