Nachlese zur Filmreihe Zeitschnitt 2020 „Europa zwischen Krieg und Frieden“

Kinoabend mit dem Film „Der Aufenthalt“ in der Kienitzer Kirchenruine.

Wie vieles in diesem Jahr war auch die Filmreihe „Zeitschnitt“ von den Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie geprägt. Die Eröffnung im Filmmuseum im April wie auch der Abschluss im November 2020 mussten schweren Herzens abgesagt, die Termine im ersten Halbjahr verschoben werden. Fünf von acht der geplanten Filme konnten wir dank der Flexibilität unserer Kooperationspartner von August bis Oktober trotzdem zeigen. Die Reihe präsentierte verschiedene filmische Blickwinkel auf das Ende des Zweiten Weltkrieges und regte das Publikum zum Austausch an.

Gestartet sind wir mit dem französischen Film „Der Krieg ist aus“ im August im Weltspiegelkino in Finsterwalde. Mit wenigen, aber sehr interessierten Besucherinnen und Besuchern berührte uns, wie Kinder im Jahr 1944 zu verstehen versuchen, was mit den Erwachsenen vorgeht und wie sie selbst  einen Weg in die Zukunft suchen. Die Mischung aus erschütternden Bildern der wechselnden Fronten und den Erlebnissen einer Freiheit wie bei Huckleberry Finn gingen vielen, auch jugendlichen Besucherinnen und Besuchern noch lange nach. Ebenso beschäftige die Anwesenden die Frage, wie Kinder solche Erlebnisse in ihr Leben integrieren.

Im September ging es weiter im Kornspeicherkino in Neuruppin mit „Die Abenteuer des Werner Holt“, einem Film, der vielen aus der Schulzeit in der DDR bekannt war. Nach dem Film entspann sich eine intensive Diskussion zwischen den Besucherinnen und Besuchern über den Umgang mit dem ideologischen Erbe des Nationalsozialismus in Ost und West.

Ungewöhnlich und berührend waren die direkt an der Oder stattfindenden  Kinoabende in Schwedt/Oder und in Kienitz, einem Ortsteil von Letschin. Die Filme spiegelten Erlebnisse, an die manche der älteren Besucherinnen und Besucher direkt mit ihren eigenen Kindheitserlebnissen anknüpfen konnten.

In Schwedt erinnerte der Film „Die Brücke“ erinnerte das Publikum auch an eigene Erinnerungen. Foto: Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

In Kienitz fand der Kinoabend im Gemeinderaum der Kirchengemeinde statt, der in eine der vielen Kirchenruinen des Oderbruchs eingebaut ist. Wir sahen zusammen „Der Aufenthalt“, der sich mit Fragen von Unschuld, Mitläufertum und Verbrechen auseinandersetzt.  In Schwedt/Oder war es besonders berührend, nach dem Film „Die Brücke“ mit Menschen zu sprechen, die sich noch sehr genau an die Kämpfe am Ende des Krieges und an die Bilder der vielen Toten erinnern konnten, die sich diese Erlebnisse aber nur sehr selten ins Bewusstsein holen.

So haben wir mit der Zeitschnittreihe „Europa zwischen Krieg und Frieden“ an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert und es war greifbar, wie der Krieg und sein Ende vor 75 Jahren Europa und uns in Brandenburg geprägt und gezeichnet haben.  

Die als Eröffnungs- und Abschlussfilme ausgewählten Beiträge musste wegen der erneuten Corona-Beschränkungen ganz entfallen. Der Film „Das Jahr 1945“ wird im Mai 2021 in Forst (Lausitz) gezeigt werden.

Wir danken dem Filmmuseum Potsdam und dem Filmhistoriker und Kurator der Zeitschnittreihe, Dr. Claus Löser, für die wunderbare Zusammenarbeit und den Kino-Orten für ihre Gastfreundschaft.