Rückblick Gespräche 2025
Mit den Menschen im Land Brandenburg ins Gespräch kommen – „35 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall – Aufbrüche, Hoffnungen und Enttäuschungen“


Die Friedliche Revolution im Herbst 1989, der Mauerfall am 9. November vor 35 Jahren, sowie die Deutsche Einheit und die beginnende Transformationszeit bilden für viele Menschen und deren Familien vor allem in Ostdeutschland eine Zäsur. Die Zeit hat sich aber auch in das Gedächtnis der Menschen in der gesamten Bundesrepublik eingebrannt. Im Herbst 2025 lud die Aufarbeitungsbeauftragte gemeinsam mit unterschiedlichen Kooperationspartnern an drei verschiedenen Orten zu Gesprächsabenden ein: in Lübbenau, Gransee und mehrfach in Cottbus.
Bei den Veranstaltungen wurde gemeinsam zurückgeschaut, welche Ereignisse damals prägend waren, welche Aufbrüche und Hoffnungen es gab, welche Ideen umgesetzt werden konnten, aber auch welche Enttäuschungen erlebt wurden und wie sich dies alles in den Lebenslinien der Einzelnen und der Familien widerspiegelt. Auch die vielfältigen Umbrüche, die Arbeitslosigkeit und Neuorientierungen in der Transformationszeit kamen zur Sprache. Im Rückblick erzählten viele auch mit Stolz darüber, was sie alles bewältigt haben. Für manche taten sich ganz ungeahnte neue Lebenswege auf.
Besonders war ein Tag unter dem Titel „..wenn alles anders wird – damals heute und Ich“ mit über 50 Auszubildenden in der Altersspanne von 18 bis 55 Jahren des AWO Bildungszentrums in der AWO Beruflichen Schule für Sozialwesen im September 2025 in Lübbenau. Auszubildende des Vorgängerjahrgangs hatten sich in einem vorhergehenden Comic-Workshop unter Anleitung des Künstlerpaares von zoom & tinte (Thomas Henseler und Susanne Buddenberg) unter dem Titel „89/90… wenn alles anders wird! Jugendliche zeichnen Umbruchsgeschichte(n)“ mit dem historischen Umbruch der Friedlichen Revolution, der Deutschen Einheit und der Transformationszeit auseinandergesetzt und die Erlebnisse im Comic-Stil gezeichnet, die sie aus ihren Familien oder sogar aus ihrem eigenen Erleben mitgebracht hatten. Diese Auszubildenden brachten anhand der Comics den neuen Ausbildungsgruppen ihre Geschichten nahe und wurden zum Nachfragen und Erzählen angeregt. Begleitet wurde dieses besondere Projekt gemeinsam von Mitarbeiterinnen der Aufarbeitungsbeauftragten, Lehrerinnen der AWO beruflichen Schule, sowie der Lübbenaubrücke.
Eine Teilnehmende fasste ihre Erfahrungen im Projekt abschließend so zusammen:
„Ich habe die Umbruchszeiten als Teenagerin erlebt. Für mich veränderte sich alles Gewohnte um mich herum und das habe ich als sehr traumatisierend erlebt. Die DDR war für mich als Kind schön und ich war ärgerlich, wenn andere das anders sahen. Die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Geschichten in diesem Workshop-Projekt hat mir geholfen, zu verstehen, dass es auch andere Erlebnisse und Geschichten gab. Das war wichtig für mich.“


Die Aufarbeitungsbeauftragte auf dem Kirchentag und auf dem zentralen Bürgerfest für den Tag der Deutschen Einheit 2025
Mit dem Gesprächsangebot zu 35 Jahre Revolution und Einheit war die Aufarbeitungsbeauftragte auch am Evangelischen Kirchentag im Mai 2025 in Hannover und am Tag der Deutschen Einheit im Oktober 2025 in Saarbrücken vertreten. Bereichernd und eindrücklich waren die berichteten Erinnerungen an die deutsche Teilung und den Mauerfall von Menschen aus der alten Bundesrepublik. Viele erzählten von ihren – zum Teil mit Ängsten behafteten – Grenzübertritten zu DDR-Zeiten, von geschmuggelten Hilfen bei Besuchen in kirchlichen Partnergemeinden oder bereichernden Begegnungen. Im persönlichen Bereich spielte die Freude über die wiedervereinten Familien nach dem 9. November 1989 bei Menschen in Ost und West eine mit vielen Emotionen verbundene Erinnerung.


Ansprechpartnerin
Stellvertretung der Aufarbeitungsbeauftragten |
Referentin für historisch-politische Erwachsenenbildung
Telefon: 0331 23 72 92 – 23
Telefax: 0331 23 72 92 – 29
