Lesung und Ausstellung zum DDR-Militärstrafvollzu in Schwedt

Vom 7. August bis zum 20. September 2019 wird in der Gedenkstätte „Roter Ochse“ in Halle (Saale) die Wanderausstellung des Stadtmuseums Schwedt (Oder) „NVA-Soldaten hinter Gittern. Der Armeeknast Schwedt als Ort der Repression“ gezeigt.

Zur Eröffnung stellten Herausgeber, Autoren und Mitarbeiter der LAkD das Buch „Der DDR-Militärstrafvollzug und die Disziplinareinheit Schwedt 1968 – 1990“ vor. Das Buch erschien in der Reihe der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) im Berliner Metropol Verlag. Die Herausgeber Paul Brauhnert, Ilja Hübner und Arno Polzin sammelten Erfahrungsberichte von ehemals in Schwedt inhaftierten NVA-Soldaten. Der Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), Arno Polzin stellte die Geschichte und Struktur des Militärstrafvollzugs in der DDR vor.

Foto: Dr. Gurski, Gedenkstätte Roter Ochse Halle (Saale)

In der Veranstaltung in der gut besuchten Gedenkstätte Roter Ochse führte Arno Polzin in die Entwicklung des Militärstrafvollzugs und die Besonderheiten der 1982 geschaffenen Strafe „Dienst in der Disziplinareinheit Schwedt“ ein, die vom Kompaniechef bis zu drei Monaten ohne Militärgerichtsverfahren verhängt werden durfte.

Paul Brauhnert las die Erinnerungen eines Angehörigen der Disziplinareinheit vor. Sie gaben die Monotonie und den permanenten Druck der jungen Männer in Schwedt wieder. Nach dem Aufstehen um 04:00 Uhr folgten Sport, Frühstück und Arbeitsbeginn um 06:00 Uhr. Nach einem achtstündigen Arbeitseinsatz in Betriebsteilen auf dem Gelände oder in Betrieben innerhalb der Stadt standen militärische Ausbildung, ideologische Schulung und die Reinigung der Stube an. Um 22:00 war absolute Nachtruhe.

Foto: Dr. Gurski, Gedenkstätte Roter Ochse Halle (Saale)

Detlef Fahle, der ebenfalls zum Dienst in der Disziplinareinheit verdonnert worden war, erzählte über seine Erfahrungen in Schwedt und die Gründe seiner Bestrafung. Detlef Fahle gründete vor mehreren Jahren den Verein „Militärgefängnis Schwedt e. V.“, der sich für die Erinnerung an diesen Ort einsetzt. Durch das Engagement des Vereins wird nun auf dem Gelände des ehemaligen Militärstrafvollzugs mit Tafel, Führungen und einer Ausstellung daran erinnert.

Im folgenden Gespräch, an dem sich viele der Besucher beteiligten, wurden noch einmal die Besonderheiten dieses Militärstrafvollzugs durch viele Einzelbeispiele hervorgehoben.