„Für ein offenes Land mit freien Menschen“ – Gesprächsangebote zum Jahresthema in verschiedenen Orten des Landes Brandenburg mit Unterstützung der LAkD

Auf das Angebot der LAkD, gemeinsam mit Partnern Gesprächsrunden zu „30 Jahre Friedliche Revolution“ zu erdenken und durchzuführen, sind sieben Orte im Land Brandenburg eingegangen. Gesprächsabende und ein Gesprächsvormittag fanden statt in: Lübbenau, Perleberg, Kyritz, Rheinsberg, Letschin, Finsterwalde und Ludwigsfelde.

Nach der Interessensbekundung gab es immer mindestens ein Vorgespräch vor Ort mit den interessierten Partnern. Im Vorgespräch stellte die LAkD die  Grundidee für einen Abend vor: alle Menschen sollen angeregt und eingeladen werden,  mit ihren Erinnerungen zu Wort zu kommen.

Im Vorgespräch erinnerten sich die Partner, was vor 30 Jahren jeweils in ihrem Ort wichtig war, überlegten, was sie einbringen möchten und welches Material von damals noch vorhanden ist. Für jeden Abend wurde gemeinsam eine jeweils eigene Überschrift gefunden, die das Spezielle der Geschichte in dem Ort aufnahm.  Als Partner fanden sich Städte oder Gemeinden mit Kirchengemeinden, Stadtgeschichtsvereinen und weiteren Partnern zusammen. Für manche war es in dieser Konstellation die erste Zusammenarbeit und schuf neue Brücken in den Orten.

Es gab kleine Gesprächsabende mit 25, 35, aber auch große mit 50 und sogar 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie in Finsterwalde, wo der Abend in den Rahmen der Ökumenischen Friedensdekade im November eingebunden war.

Neben diesen Besonderheiten in der Vorbereitung war die Moderation der LAkD so angelegt, dass die Erlebnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Mittelpunkt standen. Da wurden Erlebnisse des Aufbruchs und der neuen Möglichkeiten benannt, aber auch der tiefsitzenden Angst vor einer gewalttätigen Lösung ausgesprochen. Männer erzählten davon, dass es sie noch immer bewegt, dass sie im Herbst 1989 als Wehrpflichtige oder Angehörige der Kampfgruppen erleben mussten, wie Vorkehrungen für einen Einsatz gegen die eigene Bevölkerung getroffen wurden. Andere erzählten noch mit Staunen von überfüllten Dialoggesprächen in Kulturhäusern, in denen erstmal über alle Probleme in den Orten mit den Räten der Städte und Kreise diskutiert wurde. Trotz aller Emotionen überwog damals immer der Wille, Lösungen zu suchen und sich dabei einzubringen. Wieder andere berichteten voller Freude von der Arbeit am Runden Tisch ihres Ortes oder über die Fülle der neuen Möglichkeiten. Immer wieder kreisten die Erzählungen um den Tag des Mauerfalls und auch um die Frage, ob die Wiedervereinigung langsamer oder mehr auf gleicher Augenhöhe hätte erfolgen können, damit die Menschen mit den Veränderungen mehr hätten Schritt halten können.

Der Wert der Abende war, dass die Menschen im Austausch miteinander das Gedächtnis ihrer Orte aufgefrischt haben. Es war für uns als LAkD erstaunlich, wie groß das Bedürfnis der Menschen bei allen Veranstaltungen war, sich zu erinnern und über die Erlebnisse zu sprechen. Es bestand eine große Offenheit, Erinnerungen, die sich in das Gedächtnis eingebrannt hatten und dort oft seit damals schlummerten, nun zu berichten und mit den anderen zu teilen. Es bestand immer ein wertschätzendes Klima, obwohl die Erinnerungen sehr unterschiedlich waren. Nebeneinander standen Geschichten von aktiver Beteiligung, von Angst, vom Involviertsein in das damalige System und was man als Mensch erlebt hat.

Ganz offensichtlich ist es 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution möglich, sich differenziert zu erinnern und die anders gearteten Erinnerungen des anderen auch zu hören und als Teil des gemeinsamen Gedächtnisses im Raum stehen lassen zu können. Das hat uns beeindruckt.

Auch für das Jahr 2020 und die Erinnerung an Wandelzeiten des Jahres 1990 bietet die LAkD an, gemeinsam Gesprächsrunden zu erdenken und durchzuführen. Bei Interesse wenden Sie sich an uns.